Okt 282019
 

Die deutsch-polnische Wanderausstellung „Im Fluss der Zeit. Jüdisches Leben an der Oder“ möchte zum Nachdenken und zum Gespräch zwischen den ehemaligen und heutigen Bewohnern der Region anregen und zur Neuentdeckung des deutsch-polnisch-jüdischen Kulturerbes dieser Landschaft einladen.

Die Landschaft an der Oder mit ihren wechselnden herrschaftlichen und nationalen Zugehörigkeiten war über Jahrhunderte hinweg ein Begegnungsraum. Hier kamen auch die deutsch-jüdische und die polnisch-jüdische Kultur zusammen. In der Neuzeit bedrohte der Nationalismus, gepaart mit dem Antisemitismus, diese kulturelle Vielfalt. Der Nationalsozialismus zerstörte sie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weite Abschnitte der Oder zur deutsch-polnischen Grenze und die deutsche Bevölkerung aus den Regionen östlich der Grenze zur Flucht gezwungen oder vertrieben. Polen fanden hier eine neue Heimat und für kurze Zeit schien es, dass in Niederschlesien und Pommern jüdisches Leben heimisch werden könnte. Mehrere Zehntausend polnisch-jüdische Holocaustüberlebende siedelten sich hier an. Doch die meisten wanderten bis Ende der 1960er Jahre wieder aus. Die jahrhundertelange Anwesenheit von Juden an der Oder fiel dem Vergessen anheim, ihre Spuren wurden oft zerstört.

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Gedenkveranstaltungen zum 81. Jahrestag der Reichsprogromnacht.

Gedenkveranstaltungen zum 81. Jahrestag der Reichspogromnacht.

9. November 2019, 15 Uhr
Ausstellungseröffnung
Gräfin-Dönhoff-Gebäude der Europa-Universität Viadrina (Europaplatz 1)

Begrüßung: Prof. Dr. Julia von Blumenthal, Präsidentin der Europa Universität Viadrina.
Einführung durch die Kuratorinnen Dr. Magdalena Abraham-Diefenbach und Dr. Magdalena Gebala

Die Eröffnung ist Teil der Gedenkveranstaltungen zum 81. Jahrestag der Reichspogromnacht. Um 16 Uhr findet u.d.T. „Überschriebenes Gedächtnis? Die Reichspogromnacht im Spiegel kultureller Erinnerungen“ (Logenhaus) eine wissenschaftlich-kulturelle Veranstaltung statt. Im Anschluss Ansprache und Andacht am Synagogen-Gedenkstein (Brunnenplatz 18.30 Uhr).

Begleitprogramm

13. November 2019, 18 Uhr

Der letzte jiddischsprachige Film aus Polen: "Unsere Kinder". Foto: National Center for Jewish Film, New York

Der letzte jiddischsprachige Film aus Polen: „Unsere Kinder“. Foto: National Center for Jewish Film, New York

Gräfin-Dönhoff-Gebäude, Hs 8
„Unsere Kinder“ – Zeitweilige Heimat. Jüdisches Leben in Schlesien nach 1945
Filmvorführung mit einer Einführung von Dr. Markus Nesselrodt (in deutscher und polnischer Sprache)

„Unsere Kinder“ war der letzte jiddischsprachige Film, der in Polen gedreht wurde. Der Film beschreibt die Begegnung einer Gruppe jüdischer Waisenkinder mit zwei jüdischen Komikern, die soeben aus dem sowjetischen Kriegsexil nach Polen zurückgekehrt sind. Die Komiker wollen das Kinderheim eigentlich besuchen, um die traumatisierten überlebenden Kinder aufzuheitern. Bald jedoch sind es die Kinder, die den Erwachsenen ihre Geschichten erzählen und ihnen den Weg in die Zukunft des jüdischen Volkes nach dem Holocaust aufzeigen.

Filmtitel: Unsere Kinder (jidd. Unzere Kinder), Regie: Natan Gross, Produktionsland: Polen, Produktionsjahr: 1948, Sprache: Jiddisch mit englischen Untertiteln, Dauer: 68 Minuten
Film Restoration by The National Center for Jewish Film, www.jewishfilm.org

27. November 2019, 18 Uhr

Erinnerungstafel für Konrad Wachsmann in Frankfurt (Oder). Foto: J.-H. Janßen, Wikipedia

Erinnerungstafel für Konrad Wachsmann in Frankfurt (Oder). Foto: J.-H. Janßen, Wikipedia

Gräfin-Dönhoff-Gebäude, Hs 8
Wachsmanns Entwürfe. Von der Idee zur Konstruktion
Dr. Eva-Maria Barkhofen, Akademie der Künste, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Paul Zalewski

Der Architekt Konrad Wachsmann machte sich international einen Namen als Pionier des industriellen Bauens und als Entwickler von Fertighaussystemen. Er ist in Frankfurt (Oder) geboren und aufgewachsen.
Wie verlief Wachsmanns Entwicklung, die sein Denken und seine Herangehensweise an seine Bauaufgaben maßgeblich bestimmte? Wie plante er, entwarf er und setzte er Projekte um? War er ein Tüftler, Bastler oder ein über sein Leben hinaus wirkender Idealist? Auf all diese Fragen kann das Konrad-Wachsmann-Archiv, das im Baukunstarchiv der Akademie der Künste in Berlin bewahrt wird, Antworten geben. Dr. Eva-Maria Barkhofen, Leiterin des Baukunstarchivs, gibt Einblicke in das Leben und Wirken Wachsmanns und wird vor allem seine Persönlichkeit beleuchten.

4. Dezember 2019, 18 Uhr

Wir Mendes: eine jüdische Familie aus Frankfurt (Oder). Foto: Katja Martin

Wir Mendes: eine jüdische Familie aus Frankfurt (Oder). Foto: Katja Martin

Gräfin-Dönhoff-Gebäude, Hs 8
„Wir Mendes“ Käthe Mende, Max Bamberger. Geschichte und Geschichten einer jüdischen Familie aus Frankfurt (Oder)
Katja Martin, Vorstellung eines Buchprojektes mit einer Einführung in die Geschichte der Juden in Frankfurt (Oder) von Dr. Markus Nesselrodt
Moderation: Dr. Magdalena Abraham-Diefenbach

Frankfurt (Oder) verfügte einst über blühendes jüdisches Leben. Es gab jüdische Geschäfte, ein jüdisches Waisen- und Krankenhaus, Synagogen und Mikwen sowie einen großen jüdischen Friedhof. Die Familie Mende steht symbolisch für die Zeit des liberalen jüdischen Bürgertums an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Die Zeugnisse von Max Bamberger und Käthe Mende erfassen die Zeit seit dem 17. Jahrhundert über die spannende Zeit der Industrialisierung und die Wirren des Ersten Weltkrieges bis hin zur Shoah, dem Ende des deutsch-jüdischen Lebens in Deutschland. Nicht zuletzt stellen die Memoiren einen wichtigen Beitrag zur Frankfurter Stadtgeschichte dar, die – versehen mit vielen Anekdoten – überdies äußerst unterhaltsam sind.

Spuren jüdischen Lebens an der Oder. Foto: Adam Czerneńko

Spuren jüdischen Lebens an der Oder. Foto: Adam Czerneńko

11. Dezember, 18 Uhr
Gräfin-Dönhoff-Gebäude,
Hs 8
Auf den Spuren des jüdischen Lebens in der Oderregion heute
Reisebericht und Bildvortrag von Adam Czerneńko (in deutscher und polnischer Sprache)

Im Zuge der Arbeit an der Ausstellung „Im Fluss der Zeit. Jüdisches Leben an der Oder“ bereiste Adam Czerneńko 2017 die gesamte Oderregion – von Oppeln bis nach Stettin – auf der Suche nach materiellen Spuren jüdischer Anwesenheit. Er suchte vergessene Friedhöfe in den Wäldern, fotografierte alte Synagogen und Bahnhöfe, von denen Juden abtransportiert wurden. Er dokumentierte aber auch Orte des heutigen jüdischen Lebens und der Erinnerung an die jüdische Vergangenheit – wie Synagogensteine und Gedenktafeln. Im Rahmen der Veranstaltung zeigt er uns einen Teil dieser Fotos und erzählt von seinen Entdeckungen und Erfahrungen.

Förderer und Partner

Die Ausstellung entstand im Rahmen eines Projektes des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam, unterstützt durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Ausstellung wird in Frankfurt (Oder) eröffnet und gezeigt dank der Finanzierung durch die Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg aus den Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Das Begleitprogramm ist ein Projekt des Instituts für angewandte Geschichte – Gesellschaft und Wissenschaft im Dialog e.V. in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Denkmalkunde sowie dem Lehrstuhl für Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas der Europa-Universität Viadrina. Das Projekt wird aus Mitteln der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung finanziert.

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