Apr 272018
 

Interviewreihe mit den Staatssekretär*innen der letzten DDR-Regierung

Im März 1990 fanden nach über 40 Jahren in der DDR erstmals freie Wahlen statt, aus der die letzte DDR-Regierung unter Ministerpräsident Lothar de Maizière hervorging. Diese Regierung bereitete in nur sechs Monaten die Vereinigung beider deutscher Staaten vor, vollzog sie – und schaffte sich damit selbst wieder ab. Doch über das Wirken der Regierung de Maizière ist bis heute vergleichsweise wenig bekannt.

12. April 1990: Die an der neuen DDR-Regierung beteiligten Parteien unterzeichnen Koalitionsvereinbarung. v.l.n.r.: Rainer Eppelmann, Markus Meckel, Lothar de Maiziere, Hans-Wilhelm Ebeling und Prof. Dr. Rainer Ortleb. (Foto: Klaus Oberst)

12. April 1990: Die an der neuen DDR-Regierung beteiligten Parteien unterzeichnen Koalitionsvereinbarung. v.l.n.r.: Rainer Eppelmann, Markus Meckel, Lothar de Maiziere, Hans-Wilhelm Ebeling und Prof. Dr. Rainer Ortleb. (Foto: Klaus Oberst)

Insbesondere die Tätigkeit ihrer Staatssekretär*innen – die in der „zweiten Reihe“ oft abseits der öffentlichen Wahrnehmung agierten, jedoch den deutsch-deutschen Einigungsprozess durch ihre Arbeit maßgeblich prägten – ist bisher wenig erforscht und aufgearbeitet. Im Rahmen einer Interviewreihe sollen die Erinnerungen und Erfahrungen dieser Personengruppe für die künftige wissenschaftliche Forschung gesichert und für die historisch-politische Bildungsarbeit zugänglich gemacht werden.

Wer waren diese Menschen, die die Demokratisierung der DDR aktiv gestalteten? Wie setzten sie die revolutionären Forderungen und Ideen aus dem Herbst 1989 in staatliche Reformen und politische Prozesse um? In der besonders schwierigen und instabilen Zeit des Umbruchs 1990 hatten die Staatssekretär*innen als demokratisch legitimierte Mandatsträger Verantwortung übernommen. Als Akteure des politischen Neubeginns für Demokratie und die Einheit Deutschlands gaben sie diesem Prozess maßgebliche Gestalt – insbesondere in ihrer Funktion als verantwortliche Verhandlungspartner*innen bei den Staatsverträgen zur Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion sowie zur Herstellung der staatlichen Einheit Deutschlands.

Interview mit einem der Zeitzeugen. Foto: Andreas Gruner

Interview mit einem der Zeitzeugen. Foto: Andreas Gruner

Über das Zustandekommen nicht nur der großen Staatsverträge können die Staatssekretär*innen interessante und zum Teil kaum bekannt gewordene Aspekte oder Details liefern. Dessen ungeachtet haben die Staatssekretär*innen der Regierung de Maizière jedoch kaum autobiographische Zeugnisse hinterlassen. Deshalb sollen ihre Erfahrungen im Rahmen einer Interviewreihe als wichtige Zeitzeugnisse aufgezeichnet werden. Ihre Erinnerungen sollen zudem durch die Perspektive einiger bundesdeutscher Verhandlungspartner*innen erweitert und ergänzt werden.

Ziel des Projektes ist die Dokumentation und Sicherung wichtiger Zeitzeugnisse. Neben den vollständigen Interviewtranskripten entstehen kurze Videoclips, die die Zeitzeug*innen und verschiedene Aspekte des Einigungsprozesses und Problemlagen der damaligen Zeit vorstellen. Videomaterial und Transkripte werden im Anschluss einem Archiv übergeben, so dass das Material öffentlich zugänglich ist und von verschiedenen Nutzern in Forschung, Medien und politischer Bildungsarbeit verwendet werden kann. Zudem ist eine Präsentation der Projektergebnisse im Sommer 2019 geplant.

Projektlaufzeit: März 2018 bis Juni 2019

Projektverantwortliche:
Fanny Heidenreich, f.heidenreich@instytut.net
Maria Schlüter, m.schlueter@instytut.net

Förderer: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

 

 

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