Mrz 272017
 

Terra Transoderana entwickelte Unterrichtsideen für die Grenzregion

Polnische und deutsche Jugendliche unterzogen die Projektideen ihrer LehrerInnen einem Praxistest. Ihre Erfahrungen flossen direkt in das Unterrichts-Handbuch Terra Transoderana ein.

Deutsche und polnische LehrerInnen entwickelten Unterrichtsideen zur deutsch-polnischen Grenzregion.

Deutsche und polnische LehrerInnen entwickelten Unterrichtsideen zur deutsch-polnischen Grenzregion.

„Wir haben viele LehrerInnen aus der Grenzregion persönlich angesprochen und eingeladen“, erinnert sich Linguist Tomasz Lis. In einem Workshop im Bildungs- und Begegnungszentrum Schloß Trebnitz überlegen deutsche und polnische KollegInnen, wie sie die Grenzregion in ihren Unterricht einbauen können. Im Gegensatz zur außerschulischen Bildung komme das Zuhause der SchülerInnen dort nämlich kaum vor, so Lis. Die Unterrichtsideen aus Terra Transoderana. Deutsch-Polnische Unterrichtsentwicklung sollen die SchülerInnen neugierig auf ihre Heimat machen. In einem zweiten Teil werden die Ideen von SchülerInnen gleich ausprobiert. Am Ende entsteht daraus ein deutsch-polnisches Handbuch.

Die teilnehmenden LehrerInnen kannten die Lehrpläne der jeweiligen Fächer Geschichte, Fremdsprache, Berufskunde oder Literatur sehr gut. Sie wussten, welche Themen attraktiv sein könnten, um tatsächlich von den KollegInnen im Unterricht aufgegriffen zu werden. Im Fach Geschichte begaben sich die SchülerInnen auf die Spuren der Preußischen Ostbahn oder des Templerordens, dessen Komtureien sich beidseits der Oder befanden, und blickten auf die gemeinsame Geschichte der Region zurück. Im Englischunterricht entdeckten die Jugendlichen die Geschichte des Festivals Przystanek Woodstock in Kostrzyn, interviewten seine VeranstalterInnen und schrieben einen Artikel darüber. Im Literaturunterricht spielten die SchülerInnen Szenen aus den Stücken von Bertolt Brecht und Sławomir Mrożek, um die Motive der in Gewaltherrschaft lebenden Figuren zu verstehen. Im Fach Berufskunde entwickelten die LehrerInnen zwei Ideen: die Vorteile einer Kooperation von deutschen und polnischen KfZ-Werkstätten auszuarbeiten, und einen Businessplan für ein Restaurant in der Grenzregion zu schreiben. Die Aufforderung dahinter: Schaut hin, vielleicht gibt es für Euch doch Chancen, hier Arbeit zu finden.

Die SchülerInnen probierten die Ideen für Projekte und Exkursionen auf Schloß Trebnitz aus.

Die SchülerInnen probierten die Ideen für Projekte und Exkursionen auf Schloß Trebnitz aus.

Lehrerworkshop und Schülerprojekte Terra Transoderana fanden im Bildungs- und Begegnungszentrum Schloß Trebnitz statt. Der Verein macht seit 1992 politische Bildungsarbeit im Grenzland – vor allem, aber nicht nur mit Jugendlichen. Als Partnerschaftsbeauftragter Brandenburgs für den Kontakt zur Region Großpolen kümmert sich der Verein seit September 2016 ganz offiziell um die Vermittlung von Kontakten, Initiativen und Informationen zwischen den beiden Regionen.

Die Kontakte und Partnerschaften im Projekt Terra Transoderana. Deutsch-Polnische Unterrichtsentwicklung waren eine wichtige Grundlage für das heutige Trebnitzer Netzwerk aus deutschen und polnischen Schulen. Das aktuelle Projekt Translimes – Schule in der Grenzregion greift auf diese jahrelange Zusammenarbeit zurück. „Translimes geht noch einen Schritt weiter als Terra Transoderana: jetzt geht es um das grenzüberschreitende, interkulturelle Profil der ganzen Schule“, erzählt Tomasz Lis. Die fünf Schulen, die seit 2014 am Projekt teilnehmen, haben den Vorteil, nun mit einem internationalen Profil werben zu können. Die LehrerInnen können sich weiterbilden, die SchülerInnen profitieren von langfristig angelegten Austauschprojekten. Das Ausprobieren und Dokumentieren von Unterrichtsideen, das im ersten Terra Transoderana-Workshop anfing, geht hier in großem Stil weiter.

Als in Trebnitz der Terra Tansoderana-Workshop stattfand, lehnten noch viele deutsche Schulen die Zusammenarbeit mit polnischen Schulen mit der Begründung ab, es bestünden schon genügend Partnerschaften in andere europäische Nachbarländer, erinnert sich Tomasz Lis. Heute ist das anders: „Wir stellen fest, dass jetzt, fünf Jahre später, grenzüberschreitende Kooperation und die Erschließung der Grenzregion im deutschen und polnischen Schulalltag angekommen sind.“

 

seit 2010 in Trebnitz
Gespräch mit Tomasz Lis
Träger Schloß Trebnitz Bildungs- und Begegnungszentrum e.V., Universität Hamburg, Universität Poznań (Posen)
Projektförderung Euroregion Pro Europa Viadrina, Landesjugendamt Brandenburg, Deutsch-Polnisches Jugendwerk (DPJW) und weitere
Heute Translimes – Schule in der Grenzregion (seit 2014)

 

Infos im Netz
Projekt Terra Transoderana: www.participation-transnational.eu/node/116
Projektvorstellung in „Europa leben und gestalten“:
www.schloss-trebnitz.de/content/wp-content/uploads/2014/03/Buch-Leben-und-Gestalten_dt.pdf
Translimes-Projekt: www.participation-transnational.eu/node/101, www.schloss-trebnitz.de/translimes-schule-in-der-grenzregion/translimes-schule-in-der-grenzregion/

 

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