Okt 242016
 

Die Begegnungsstätte in Kulice

Ein ehemaliges Herrenhaus der Familie von Bismarck wird zu einem Ort deutsch-polnischer Auseinandersetzung mit der Geschichte Westpommerns (Zachodniopomorskie).

Das Gutshaus der Familie Bismarck in Kulice ist heute ein deutsch-polnisches Begegnungszentrum.

Das Gutshaus der Familie Bismarck in Kulice ist heute ein deutsch-polnisches Begegnungszentrum.

Das Besondere an der Arbeit in Kulice ist der historische Ort, an dem sich die Menschen begegnen. Philipp von Bismarck (1913-2006) initiierte in einem ehemaligen Gutshaus der Familie ein deutsch-polnisches Begegnungszentrum. 1994, wenige Jahre nach Öffnung des Eisernen Vorhangs eine Pioniertat, ein „Symbol für die Veränderungen in der Mitte Europas“, besonders von einem Nachfahren des „Eisernen Kanzlers“, der als Unterdrücker der polnischen Nation vielen Polen verhasst ist. Mit Lisaweta von Zitzewitz leitete lange Jahre eine Slawistin die Bildungsstätte, deren Familie selbst aus der Region stammt. Aus ihrer Sicht ein Vorteil für die Beschäftigung mit regionaler Geschichte. „Auch wenn die Deutschen aus anderen Gründen aus ihren Ostgebieten vertrieben wurden als die Polen aus den ihrigen, so waren doch die Folgen für die nächsten Generationen recht ähnlich.“

Rektor Prof. Dr. Edward Włodarczyk, Dr. Pawel Migdalski und Dr. Sławomir Szafrański bei der Eröffnung des Konferenz- Bildungszentrums der Universität Stettin in Kulice März 2016.

Rektor Prof. Dr. Edward Włodarczyk, Dr. Pawel Migdalski und Dr. Sławomir Szafrański bei der Eröffnung des Konferenz- Bildungszentrums der Universität Stettin in Kulice März 2016.

Unter ihrer Leitung konzentrierte sich die Bildungsstätte bei wissenschaftlichen Tagungen, Seminaren und Publikationen auf die deutsch-polnische Geschichte Hinterpommerns, polnisch Westpommerns (Zachodniopomorskie). Die ab 1999 erscheinende Publikationsreihe Külzer Hefte dokumentierte zweisprachig die Vorträge und Diskussionen: so eine „Analyse des Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern und Westpommern“ die das Thema über Nationengrenzen hinweg betrachtet oder „Heimat Pommern – einst und jetzt“ mit kritischen Beiträgen zum Heimatbegriff. 2002 ging der Besitz des Hauses in die Hände der Universität Stettin über. Die Universität sicherte der Akademie Nutzungsrechte zu, 2013 wurde die Zusammenarbeit jedoch konfliktreich beendet. In der Zukunftswerkstatt „Quo vadis Kulice?“ wurde 2014 seitens der Universität Stettin ein neues Bildungsstättenkonzept entwickelt.

Konferenz „Das neue Grenzgebiet - 25 Jahre Dialog“ im Juni 2016. Es diskutieren Dr. Pierre-Frederic Weber (Universität Stettin), Prof. Dr. Jörg Hackmann (Moderation), Michael Kurzwelly (Słubfurt, New America) und Robert Ryss (Gazeta Chojeńska).

Konferenz „Das neue Grenzgebiet – 25 Jahre Dialog“ im Juni 2016. Es diskutieren Dr. Pierre-Frederic Weber (Universität Stettin), Prof. Dr. Jörg Hackmann (Moderation), Michael Kurzwelly (Słubfurt, New America) und Robert Ryss (Gazeta Chojeńska).

Kulice liegt im erweiterten Grenzland, hat aber mit seiner Gründung unter besonderen Vorzeichen und langjähriger Arbeit mit Tagungen, Publikationen und Bildungsreisen eine Strahlkraft in der Region entwickelt und ist wie viele Bildungsstätten zu einem Zentrum im Grenzland geworden. Das Mittel der Annäherung und Aussöhnung ist die gemeinsame, kritische Aufarbeitung der deutsch-polnischen Geschichte der Region. Dieser Weg ist im Grenzland schon oft erfolgreich gewesen. Die Mischung aus Initiatoren, die ihre biografische Erfahrung einbringen, offen sind für die Perspektiven des Anderen und dem universitären Anschluss an aktuelle nicht nur historische Debatten mit jungen Wissenschaftlern, machten und machen die Besonderheit von Kulice aus.

Nach dem institutionellen Bruch soll es nun unter der Trägerschaft der Universität Stettin weiter gehen. Seit Januar 2016 finden wieder vereinzelt Tagungen, Seminare und öffentliche Kulturveranstaltungen in Kulice statt. Bei der Konferenz im Juni „Das neue Grenzgebiet – 25 Jahre Dialog“ zum 25. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags waren Grenzland-Initiativen zu Gast, die über ihre transnationale Arbeit berichteten.

 

Von 1995 bis 2012, neu eröffnet 2015 in Kulice
Gespräch mit Stephan Felsberg und Pawel Migdalski
Träger Europäische Akademie Külz-Kulice, Verein zur Förderung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit e.V. (bis 2013)
Projektförderung Deutsche Bundesregierung, Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit (SdpZ) und weitere
Heute Träger: Universität Stettin (Szczecin), Verein Akademia Kulice

 

Infos im Netz
Europäische Akademie Külz-Kulice: www.kuelz.pl
åBildungs- und Konferenzzentrum Kulice: www.kulice.usz.edu.pl

 

Publikation herausgegeben von:

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Gefördert von:
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