Apr 112013
 
Am Ort des ehemaligen "Arbeitserziehungslagers" erinnert heute ein Denkmal an die Opfer

Am Ort des ehemaligen „Arbeitserziehungslagers“ erinnert heute ein Denkmal an die Opfer

Das “Arbeitserziehungslager” Schwetig.
Gedenkstätte oder vergessener Ort?

Deutsch-Polnische Lernorte

Der Projekttag findet in Świecko – dem früheren Schwetig – statt. Das Dorf liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur heutigen deutsch-polnischen Grenze und zur Autobahnstrecke Berlin – Poznań. Die TeilnehmerInnen beschäftigen sich mit dem am Rand von Świecko gelegenenen sog. Arbeitserziehungslager (AEL) Schwetig, welches sich dort von Oktober 1940 bis ins Frühjahr 1945 befand. Dort wurden Zwangsarbeiter aus ganz Europa vorübergehend interniert, die unter anderem am Bau der Autobahn von Berlin nach Poznań beteiligt waren. Dutzende von ihnen starben an Erschöpfung, Krankheit und infolge von Misshandlungen.

Heute befinden sich in Świecko auf dem ehemaligen Lagergelände ein Denkmal und zwei Gedenktafeln, welche darauf verweisen, dass an diesem Ort ein „Strafarbeitslager“ (polnische Version: karny obóz pracy) bzw. „Strafkonzentrationslager“ (deutsche Version) existiert hatte. Ein Unterschied in der Begriffswahl der darauf hinweist, dass das Lager in der deutschen und polnischen Erinnerungskultur unterschiedlich gewertet wird und dass die AELs im Rahmen der Forschungen zum Nationalsozialismus bisher nicht vollständig erforscht wurden. Dies schlägt sich auch in der weitgehenden Abwesenheit des Ortes in der deutschen wissenschaftlichen Literatur nieder. Auf polnischer Seite sind die Forschungsergebnisse älteren Datums.

Primäres Ziel des Workshops ist es nicht, die gesamte Ereignisgeschichte des Lagers zu vermitteln. Stattdessen ist er mit Blick auf diejenigen Interessierten konzipiert, die zunächst ohne (großes) Vorwissen den Ort erkunden wollen. Dazu bietet der Workshop mit Arbeitsblättern, Materialien und Fragen Anregungen, um eigene Beobachtungen vor Ort zu machen. Ziel ist eine Konfrontation des unmittelbar aus den Materialien gewonnenen Wissen über die Vergangenheit und dem Eindruck der gegenwärtigen Situation des Ortes. So wird augenscheinlich, wie das Wissen um das Lager verloren ging, als Täter und Anwohner im Zuge der Westverschiebung Polens nicht mehr am Ort waren. Diese heutige Situation in Świecko fordert die TeilnehmerInnen heraus, sich kritisch mit regionalen und lokalen Formen von Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg auseinanderzusetzen.

Arbeitsmaterialien zum Download

Technische Erläuterung für Gruppenleiter
Einführungstext Arbeitserziehungslager Schwetig

Arbeitsblätter
Gruppe 1: Aufgabenblatt Arbeitserziehungslager Schwetig – Gruppe 1
Gruppe 2: Aufgabenblatt Arbeitserziehungslager Schwetig – Gruppe 2
Gruppe 3: Aufgabenblatt Arbeitserziehungslager Schwetig – Gruppe 3

Zusatzmaterialen
Gruppe 1: Material Arbeitserziehungslager Schwetig – Gruppe 1
Gruppe 2: Material Arbeitserziehungslager Schwetig – Gruppe 2

Autoreninformationen

Anne Rothärmel

Nach ihrem Abitur in Baden-Württemberg absolvierte Anne Rothärmel ein Freiwilliges Kulturelles Jahr im Anne Frank Zentrum Berlin e.V., in welchem sie bis heute als freie Mitarbeiterin tätig ist. Seit dem Sommersemester 2008 studiert sie an der Europa-Universität Viadrina Kulturwissenschaften (Kulturgeschichte und Sozialwissenschaften). Dort begann sie Polnisch zu lernen und verbrachte im Sommersemester 2010 einen Auslandssemeser in Łódź, Polen.

Maria Albers

Ihren B. A. in Europäischer Kulturgeschichte (Kunstgeschichte und Englische Literaturwissenschaft) studierte Maria Albers an der Universität Augsburg und der Universität von Valencia. Im Wintersemester 2010/11 hat sie das Studium des Masters „Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas“ an der Europa-Universität Viadrina aufgenommen und arbeitet dort als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für die Geschichte Osteuropas.

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