Institut für angewandte Geschichte

Über Brücken

Sommerakademie auf der Oder
Auf den Spuren von alten und neu geplanten Flussübergängen

Blockseminar: 18-20.05.2007,  06-08.06.2007 und 9.07. 2007, die Vorbesprechung findet in der ersten Semesterwoche statt

Trotz zahlreicher Initiativen (Buchpublikationen, Tagungen, Ausstellung), die in den letzten Jahren der Oder gewidmet worden sind, wird der Fluss immer noch sehr stark mit der Grenze assoziiert. Dabei spielen Brücken eine wichtige Rolle. Mehr als fünfzig Jahr lang war das Überqueren der Grenz-Oder nur an wenigen Orten möglich, die Grenzübergänge waren streng überwacht und der Verkehr in der meisten Zeit sehr begrenzt. Da die beiden Ufer des Flusses als Grenzzone galten, war die Beschäftigung der Zivilbevölkerung mit der Topografie dieses Raumes kaum möglich. Die Konsequenz ist, dass die Oderübergange kaum als Erinnerungsorte wahrgenommen werden. Dabei sind  gerade sie symbolhafte Orte für viele historische Ereignisse und menschliche Schicksale.

Im Zäsurjahr 1945 wurden sie zu stummen Zeugen der Tragödien von Flüchtligen, die vor der Sprengung der Brücke noch das rettende Ufer erreichen wollten. Für die Vertriebenen und Neusiedler war der Anblick der Brückenruinen ein weiteres Symbol der zerstörerischen Kraft des Krieges. Schon die oben erwähnten Beispiele prädestinieren die Oderübergänge dazu, ihnen besondere Aufmerksamkeit im Kontext der deutsch-polnischen Beziehung zu schenken und die aus unserer  Wahrnehmung verschwundene Kulturlandschaft neu zu entdecken.

Auch in der aktuellen Debatte um die Erschließung der Oder für den touristischen Verkehr spielen die Übergänge eine wichtige Rolle. Die Wahrnehmung der Oder als Grenze ist immer noch so stark, dass es auch heute noch Vielen schwer fällt, eine Reise über die Oder zu unternehmen, um die Landschaft auf dem anderen Ufer kennen zu lernen. Dies ist einer der Gründe dafür, dass die in den letzten Jahren ergriffenen Initiativen zur Instandsetzung  von Fähren über die Oder für den touristischen Verkehr (wie z.B. in Güstebieser Loose / Gozdowice) ohne Erfolg bleiben.

Mit der oben dargestellten Problematik sollen sich Studenten der Viadrina sowie Regionalisten und Historiker auseinandersetzen. Während der Schifffahrt von Eisenhüttenstadt nach Kostrzyn (18.-20. 05. 2007) und von Kostrzyn nach Szczecin (06.-08. 06. 2007) werden Seminare sowohl auf dem Schiff als auch in den Oderstädten gehalten. Zu den Hauptzielen gehören auf der einen Seite Begegnungen mit Historikern, Regionalisten und Zeitzeugen, die sich mit der Geschichte des Oderraumes beschäftigen,  sowie Recherchen und die Erstellung  eine Fotodokumentation zum Thema „Alte und neue Brücken über die Grenz-Oder“.       
Den Abschluss der Sommerakademie wird am 9.Juli 2007 eine Veranstaltung anlässlich des Oder-Floßes in Frankfurt bilden, in der die Ergebnisse der Sommerakademie vorgestellt werden.

Seminarkonzept & Durchführung: Dr. Beata Halicka

Teilnehmerzahl ist begrenzt, um Anmeldung wird unter odra-oder[at]euv-frankfurt-o.de  bis zum 11.04.2007 gebeten.


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