Peripherie gegen Vertreibungen

Die Debatte um eine moralisch und inhaltlich adäquate Form der Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs wurde gestern an der deutsch-polnischen Grenze mit einer Plakatwand fortgesetzt. Darauf heißt es in zwei Sprachen: "Peripherie gegen Vertreibungen". Die Autoren vom Institut für angewandte Geschichte wenden sich damit gegen den aggressiven Tonfall, der in den Zentren von Deutschland und Polen derzeit gepflegt wird. Sie möchten darauf hinweisen, dass die Logik eines Zentrums nicht die einzig mögliche ist. So herrscht derzeit im Grenzgebiet eine wesentlich entspanntere Stimmung als in den jeweiligen Hauptstädten. Während anderswo alte Rechnungen aufgemacht werden, sind Doppelstädte wie Frankfurt Oder Słubice trotz jeweils angespannter wirtschaftlicher Situation auf dem Weg der Annäherung. Dass die Geschichte des Zweiten Weltkriegs keine unüberwindliche Barriere darstellen muss, bewies kürzlich der Bürgermeister von Słubice mit der Einladung zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung aus Anlass des 65. Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen, der viele Frankfurter gefolgt waren. Dass dort, wo man täglich mit den Folgen der Westverschiebung Polens konfrontiert ist, relative Normalität herrscht, sollte Anlass geben, erneut über den Standort und die Konzeption einer Stätte gegen Vertreibungen nachzudenken.

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Kontakt: Felix Ackermann