Kondolenzschreiben
Der Tod des Präsidentenpaares und wichtiger Vertretern der politischen, militärischen und geistigen Elite Polens ist ein Verlust für Europa. Die deutschen, polnischen und französischen Mitglieder des Instituts für angewandte Geschichte sprechen allen Angehörigen der Opfer des Unglücks ihr Beileid und tief empfundenes Mitgefühl aus.
Gerade an der deutsch-polnischen Grenze, wo nach 1945 auch viele ehemalige Deportierte aus Sibirien und Kasachstan angesiedelt wurden, wird die besondere Symbolik des Unglücks deutlich. Lech Kaczyński war mit seiner Frau, seinen engsten Vertrauten, den Geistlichen und Generälen der Polnischen Armee sowie Familienangehörigen der Opfer des Massakers von Katyn auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung im Westen Russlands. Die Erinnerung an die dort im Frühjahr 1940 über 20.000 ermordeten Offiziere der polnischen Armee ist heute in Europa durch das Unglück von Smolensk in ihrer doppelten Tragik präsent.
Wir konnten heute in Słubice an einer Gedenkveranstaltung auf dem Platz der Sibiraken teilnehmen und erlebten, wie tief Trauer und Erschütterung sind. Am einstigen Lenindenkmal, an dem 1990 eine Gedenkplakette der Ortsgruppe des Bundes der Sibiriaken angebracht wurde, hängt nun unter einer Plastik von Jesus Christus ein Portrait des Präsidentenpaares. Pfadfinder hielten eine Ehrenwache am Denkmal. Wir empfinden Achtung für diese lokale Form nationalen Gedenkens und werden uns von Frankfurt (Oder) aus für ein wachsendes Verständnis des polnischen Nachbarn in Deutschland einsetzen.
Frankfurt (Oder), den 11.04.2010
Die Mitglieder des Instituts für angewandte Geschichte