DDR und Migration werden oft nur aus dem Blickwinkel der Republikflucht wahrgenommen – ein Land, das viele seiner Bürger so schnell wie möglich verlassen wollten. Dass es hingegen eine nicht unbeträchtliche Zahl an Menschen freiwillig in die Diktatur zog und aus welchen Gründen, wird in der öffentlichen Erinnerung meist vernachlässigt. Diesen Aspekt der Migrationsgeschichte der DDR will die Veranstaltung in einer Kombination aus gemeinsamer Seminar- und Quellenarbeit erschließen. Ziel wird es sein, die großen Linien der Einwanderungspolitik, in ihrem ideologischen Eigenanspruch wie in ihrer politischen Ausgestaltung, mit der Praxis der Immigration in Bezug zu setzen. Welchen Umfang erreichte die Einwanderung und welcher Chronologie folgte sie? Wie veränderten sich Wahrnehmungen von und Einstellungen zur Migration auf der Ebene der politischen Entscheidungsträger ebenso wie in der Öffentlichkeit? Wie unterschieden sich die Schicksale unterschiedlicher Migrantengruppen voneinander? Auf den Alltag der Einwanderer soll, auch mit Hilfe von Zeitzeugen, besonderes Augenmerk gelegt werden: Wie gestaltete sich die Realität am Arbeitsplatz, wie Wohnsituation, soziale Integration und interkultureller Austausch?
Die sechs gemeinsamen Sitzungen werden übergreifende Fragestellungen behandeln und die Teilnehmer in die Quellenarbeit einführen. Die übrige Seminarleistung wird durch die zunächst betreute, später eigenständige Recherche in Bibliotheken und Archiven erbracht. Das Seminar wird in Kooperation mit dem Institut für angewandte Geschichte angeboten, das einen Workshop zur Arbeit mit Zeitzeugen anbietet.
Literatur: Bade, Klaus J.: Europa in Bewegung. Migration vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. München 2002; Behrends, Jan C. u.a.: Fremde und Fremd-Sein in der DDR. Zu historischen Ursachen der Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland. Berlin 2003; Müller, Christian/Poutrus Patrice G. (Hg.): Ankunft – Alltag – Ausreise. Migration und interkulturelle Begegnung in der DDR-Gesellschaft. Köln/Weimar/Wien 2005.
Teilnahmevoraussetzungen: BA oder vergleichbarer Abschluss; Anmeldung
Seminar: MA KUWI: Kulturgeschichte // MEK: Wahlmodul Europäische Wirtschaftskulturen / Praxisrelevante Fähigkeiten //
MASS / MICS: Wahlmodul Migration - Ethinizität – Ethnozentrismus
Block, Vorbesprechung am 23.04.09, 10-11 Uhr; Ort: GD 07, Veranstaltungsbeginn: 20.04.2009
Veranstaltungsleitung: Kim Christian Priemel
Hinweise zur Veranstaltung: Das Seminar baut auf die vorangegangene Veranstaltung im Wintersemester 2008/09 auf, steht aber auch anderen Interessierten offen. Auch BA-Examenskandidaten sind willkommen. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 begrenzt, um Voranmeldung bis zum 31. März wird gebeten (priemel[at]euv-frankfurt-o.de). Eine Vorbesprechung findet am 7. April 2009, 11.00 - 13.00 Uhr, in GD 07 statt.
Hinweise zum Blockseminar: Montag, 9:00 bis 13.00 Uhr (6 Sitzungen)
Leistungsnachweis: Engagierte Teilnahme, schriftliche Arbeit.
Leistungsvergütung: 6/9 ECTS